Herzworte

    Noch einmal Sommerferien

    17. Juli 2017

    Noch einmal Sommerferien haben. Die Tage nehmen, wie sie eben kommen. Aus dem Bett springen, in kurze Hose und Sonnenhemdchen schlüpfen, im Vorbeigehen am Kakao nippen und dann draußen sein. Den ganzen langen Sommertag lang. Mit den Nachbarskindern im wilden Grundstück Brombeeren pflücken und sie in einem gelben T-Shirt nach Hause transportieren, das die längste Zeit gelb gewesen ist. Viel länger aufbleiben dürfen, als das ganze restliche Jahr über. Im Plantschbecken umherhüpfen, bis gar kein Wasser mehr drin ist, aber die Wiese rundherum ganz glitschig. Im Wäschekorb unter dem Wäscheständer sitzen und versteckt vor den kleinen Schwestern lesen. Es duftet nach Sommerfrische und die noch feuchten Laken machen eine Gänsehaut, wenn sie die nackten Beine berühren. Postkarten im Briefkasten finden, die wirklich, wirklich an einen selbst adressiert sind und nicht immer bloß an Mama und Papa. Den Schulranzen in die Zimmerecke pfeffern und ihn erst wieder anschauen, wenn sich langsam der Herbst ankündigt. Mit der Playmobil-Familie in den Urlaub fahren. Stundenlang Kassette hören. Mit einem Eisstiel Worte in den Sand schreiben. Im Fernsehen nur ein Störbild sehen, weil die Blätter von den Bäumen in der Satellitenschüssel hängen. Bei Oma und Opa auf dem Balkon im Liegestuhl liegen und dem Brummen der Zeppeline zuhören. Mit dem Rad um den Baldeneysee fahren und zur Belohnung im Kinderbuchladen ein Ferienbuch aussuchen dürfen. Die blauen Flecke an den Beinen mit Kugelschreiber verbinden, wie Sternbilder. Erdbeerkuchen mit Schlagsahne. Bei geöffnetem Fenster im Bett liegen und Papa lauschen, der den Garten wässert. Ein ganz klebriges Kinn von Melonensaft haben. In der Hängematte liegen und so lang schaukeln, bis einem schlecht wird. Im Keller übernachten, weil es sonst überall zu heiß ist.  Vom Nachbarsopa gegenüber Eis geschenkt bekommen, mit einer Schokoladenhülle, die knackt, wenn man draufbeißt. Mit vom Bad noch feuchten Haaren auf der Wiese sitzen und Riffelchips futtern. Das Auto für den Urlaub so vollpacken, dass man über Klappkisten und Koffer klettern muss, um in den Kindersitz zu gelangen. Mit Mama in den Schreibwarenladen gehen, neue Stifte und Hefte kaufen und sich ein klitzekleines bisschen auf die Schule freuen. Im Freibad auf dem Badetuch liegen und selbstgebackene Amerikaner essen. Ein Tagebuch voll mit Ferienerinnerungen schreiben, verziert mit Fotos, Eintrittskarten und Strandsand – und einem toten Taschenkrebs, der allmählich ganz schön müffelt.

    Und bei alldem: Sechs Wochen für die Ewigkeit halten. Und sich wünschen, es könnte immer so bleiben.

    Worte: Hanna Buiting | Bild: Charlotte Viefhaus

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