Herzworte

    Was von diesem Sommer bleibt

    9. September 2019

    Für eine Weile:

    Helle Sandalenmuster auf brauner Haut.  Viele Packungen „Hagelslag“ im Vorratsschrank. Sprühkreidespuren auf Asphalt. Erschöpft sein, aber so glücklich. Niederländisch träumen. Ein Handy, das sich über zu wenig Speicherplatz für zu viele Fotos beschwert. Sonnenbrand im Nacken.  Nichtausgepackte Kramskisten im Wohnzimmer. Ein Klo, gefüllt mit Schokopudding. Sand in meiner Handtasche und in meinen Schuhen und in meinem Portmonee. What’sApp-Nachrichten: „Es war sooo schön.“ Lagerfeuerduft, wo man ihn gar nicht vermutet. Goldschnur. Wenig Geld auf dem Konto – macht nix, hat sich gelohnt. Nachts noch manchmal aufwachen und überlegen: Haben wir an alles gedacht? 14 Bierzelttischhussen, aber keine Bierzelttische. Ein paar Flaschen Grolsch im Kühlschrank. Überwältigt sein, von all dem Vielen und Fühlen.

    Für lange:

    Spuren von Sand und Wiese und Schnaps auf der Schleppe meines Brautkleides. Unsere grüne Gartenbank, auf der wir während des Traugottesdienstes saßen. Fotografien von Freunden: Festgehaltene Momentaufnahmen. Ein Hagebuttensetzling im Vorgarten. Blau-weiß-goldene Fäden. Worte und Wünsche auf Karten und in Briefen und ins Ohr geflüstert. „Conni heiratet.“ Weinen müssen vor Rührung, bei der Erinnerung an dich und euch und uns. Eine Traukerze, die uns heimleuchtet. Geschenktes Geld. Sich verbunden fühlen mit den Menschen auf Ameland, die uns willkommenhießen, als wären wir welche von ihnen. www.solokuenstler.nl Ohrringe, in denen sich die Insel spiegelt. Bei jedem Windstoß denken müssen: Gott war im Wind. Zwei Kugelhälften. Ein Versprechen. Ungläubiges Staunen: Wir haben wirklich auf Ameland geheiratet. Die Freude darüber, manche Menschen durch unsere Hochzeit erst wirklich kennengelernt zu haben. Ein Trauvers und seine Übersetzung in unser Leben. Hochzeitsgeschichten, von allen ein wenig anders erzählt. Dein Anzug, bei dem mir kurz der Atem stockte, weil er so gut an dir aussah. Lachen müssen, bei der Erinnerung an „Die drei Tenöre“, „Rettungswagen, Rettungswagen“ und „Senorita“. Sich so unfassbar beschenkt fühlen. Unsere Gäste zum Anfassen: In Büchern, als Quartett, auf Holz und in Bildern. Selbstgemachte Tassen in blau und weiß für selbstgemachten Kaffee in schwarz oder milchschaumfarben. Papoesie. Schmunzeln müssen, wenn irgendwo „Mr. Vain“ gespielt wird, unser ganz spontaner Hochzeitstanz. Ein Blumenarmband mit Stoff aus Oma Lisas Brautkleid. Unsere Trauung in Texten: Liedtexte, Liebestexte, Leuchtturmtexte. Goldringe mit Gravur. „Ich will noch nicht nach Hause…“  Unglaubliche Dankbarkeit und Demut, die tollsten Menschen im eigenen Leben zu wissen. Und der Wunsch, nichts zu vergessen von diesem Sommer, einem der schönsten unseres gemeinsamen Lebens.

    Für immer:

    Leuchtturmliebe.

     

    Worte: Hanna Buiting | Bild: Rolf Krüger

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